Sie haben sich in Hamburg kennengelernt, er stammt aus Brasilien, sie aus Bayern. Oder sie kommt aus der Ukraine, er aus Köln. Internationale Paare sind in Deutschland längst Alltag. Wenn es um die Hochzeit geht, beginnt jedoch oft ein Papierkrieg: Das Standesamt verlangt zahlreiche Dokumente, und viele davon müssen übersetzt und beglaubigt werden.
Dieser Beitrag erklärt, welche Unterlagen typischerweise benötigt werden und wie Paare die Eheschließung gut vorbereiten.
Die Anmeldung der Eheschließung
Wer in Deutschland heiraten möchte, meldet die Eheschließung beim zuständigen Standesamt an, in der Regel am Wohnort eines der Partner. Das Standesamt prüft, ob die Ehe nach deutschem Recht und nach dem Heimatrecht des ausländischen Partners geschlossen werden darf. Dafür werden Nachweise über Identität, Familienstand und Abstammung benötigt.
Je früher die Unterlagen vollständig sind, desto schneller kann ein Hochzeitstermin festgelegt werden.
Typische Unterlagen
- gültiger Reisepass oder Personalausweis,
- Geburtsurkunde, oft mit Angaben zu den Eltern,
- Ledigkeitsbescheinigung oder Ehefähigkeitszeugnis,
- bei früheren Ehen: Scheidungsurteil oder Sterbeurkunde des früheren Ehepartners,
- Meldebescheinigung,
- gegebenenfalls Nachweise über Namensänderungen.
Ausländische Urkunden müssen meist im Original und mit beglaubigter Übersetzung vorgelegt werden. Viele Paare lassen deshalb die Geburtsurkunde übersetzen lassen, bevor sie überhaupt einen Termin beim Standesamt vereinbaren.
Frühere Ehen
War einer der Partner bereits verheiratet, muss die Auflösung der früheren Ehe nachgewiesen werden. Ausländische Scheidungsurteile müssen in Deutschland unter Umständen erst anerkannt werden, bevor eine neue Ehe geschlossen werden kann. Dafür ist häufig ein Verfahren bei der Landesjustizverwaltung nötig. Wer seine Scheidungsurkunde übersetzen lassen muss, sollte darauf achten, dass auch der Rechtskraftvermerk vollständig übertragen wird.
Beglaubigte Übersetzungen
Standesämter akzeptieren nur Übersetzungen von Übersetzern, die in Deutschland gerichtlich ermächtigt oder öffentlich bestellt sind. Die Übersetzung muss vollständig sein, also auch Stempel, Siegel, Unterschriften und Randvermerke enthalten. Namen werden in der Regel nach der Schreibweise im Reisepass wiedergegeben.
Apostille und Legalisation
Je nach Herkunftsland müssen ausländische Urkunden zusätzlich mit einer Apostille versehen oder legalisiert werden. Die Apostille wird im Ausstellungsland angebracht und muss ebenfalls übersetzt werden. Ob sie nötig ist, hängt vom Land und vom Standesamt ab. Eine frühzeitige Nachfrage spart Zeit.
Nach der Hochzeit im Ausland
Nicht alle Paare heiraten in Deutschland. Wer im Ausland geheiratet hat, braucht für deutsche Behörden häufig eine beglaubigte Übersetzung Heiratsurkunde, etwa für die Anmeldung, die Namensführung, die Steuerklasse oder den Familiennachzug. Auch eine Nachbeurkundung der Ehe im deutschen Eheregister kann sinnvoll sein.
Familiennachzug
Lebt ein Partner noch im Ausland, folgt nach der Hochzeit oft der Antrag auf Familiennachzug. Die deutsche Auslandsvertretung verlangt dafür ebenfalls Urkunden und Übersetzungen. Informationen zur internationalen Zusammenarbeit der Behörden bietet unter anderem das Bundesamt für Justiz.
Ein praktischer Zeitplan
- Beim Standesamt die genaue Liste der Unterlagen erfragen.
- Fehlende Urkunden im Herkunftsland anfordern.
- Apostille oder Legalisation einholen, falls verlangt.
- Alle Urkunden gemeinsam beglaubigt übersetzen lassen.
- Eheschließung anmelden und Termin vereinbaren.
Häufige Fehler
- Veraltete Urkunden, die das Standesamt nicht mehr akzeptiert.
- Unterschiedliche Namensschreibweisen in verschiedenen Dokumenten.
- Übersetzungen von nicht ermächtigten Personen.
- Fehlende Anerkennung eines ausländischen Scheidungsurteils.
Das Ehefähigkeitszeugnis
Ein besonders wichtiges Dokument für ausländische Verlobte ist das Ehefähigkeitszeugnis. Es bestätigt, dass nach dem Recht des Heimatlandes keine Ehehindernisse bestehen. Nicht alle Staaten stellen ein solches Zeugnis aus. In diesen Fällen kann beim zuständigen Oberlandesgericht eine Befreiung von der Beibringung beantragt werden. Das Verfahren erfordert weitere Unterlagen, die ebenfalls übersetzt werden müssen, und kann einige Wochen dauern.
Paare sollten deshalb früh klären, ob das Heimatland ein Ehefähigkeitszeugnis ausstellt und welche Behörde dafür zuständig ist. Häufig hilft das Konsulat des Herkunftslandes in Deutschland weiter.
Namensführung nach der Ehe
Mit der Eheschließung stellt sich die Frage nach dem Familiennamen. Das deutsche Recht bietet mehrere Möglichkeiten, doch auch das Heimatrecht des ausländischen Partners kann eine Rolle spielen. Wer seinen Namen ändert, muss anschließend zahlreiche Dokumente anpassen lassen: Pass, Aufenthaltstitel, Bankkonten, Versicherungen, Arbeitgeberunterlagen. Eine beglaubigte Übersetzung der Heiratsurkunde wird dabei auch im Herkunftsland oft benötigt, damit die Namensänderung dort eingetragen werden kann.
Zeremonie in zwei Sprachen
Viele internationale Paare wünschen sich, dass ihre Familien die Trauung verstehen. Standesämter lassen bei Bedarf einen Dolmetscher zu, und in manchen Fällen ist er sogar vorgeschrieben, wenn ein Partner nicht ausreichend Deutsch spricht. Der Dolmetscher überträgt dann die rechtlich relevanten Erklärungen. Das sollte bei der Anmeldung angegeben und rechtzeitig organisiert werden.
Kosten im Blick behalten
Neben den Gebühren des Standesamts entstehen Kosten für neue Urkunden, Apostillen, Übersetzungen und gegebenenfalls für das Befreiungsverfahren beim Oberlandesgericht. Wer alle Dokumente gebündelt bei einem Übersetzungsbüro in Auftrag gibt, spart oft Geld und erhält einheitliche Namensschreibweisen in allen Übersetzungen.
Planen Sie außerdem einen zeitlichen Puffer ein. Urkunden aus dem Ausland brauchen manchmal mehrere Wochen, bis sie in Deutschland eintreffen. Ein früher Start nimmt Druck aus der Hochzeitsplanung und lässt Raum für unerwartete Rückfragen der Behörden.
Eine gute Vorbereitung erspart Paaren Stress und unnötige Wege zu den Behörden.
Fazit
Eine internationale Hochzeit in Deutschland ist gut machbar, wenn die Unterlagen rechtzeitig vollständig sind. Mit beglaubigten Übersetzungen, den nötigen Apostillen und einem klaren Zeitplan steht dem großen Tag nichts im Weg.
